Montag, 5. Mai 2014

Der Philosophiekurs

Normalerweise würde ich gern zur Schule gehen. Besonders jetzt, da ich in der Oberstufe bin, gefällt es mir unheimlich gut über Dinge nachzudenken, sie zu erforschen und zu verstehen. Dabei ist natürlich wichtig, dass man vernünftig geleitet wird durch einen Lehrer und gleichzeitig eine Atmosphäre in der Klasse herrscht, die zum Lernen einlädt, durch ebenfalls wissenshungrige Schüler. Von beidem kann ich in meinem Philosophiekurs nur träumen. Weder die Lehrerin, noch der größte Teil der Schüler hat Lust, sich mal 90 Minuten lang zu konzentrieren und ihre persönlichen Probleme und Aufmerksamkeitsgesuche zu vergessen. Dabei rauskommt ein Kurs von 24 Schülern, der oft genug durch das Schwänzen der meisten, nur aus 15 besteht, in dem es permanent laut und unkonzentriert ist und sich die Lehrerin nicht durchsetzen kann, die paar Schüler, die aber Lust auf den Stoff haben es umso mehr müssen. 

Das Thema der heutigen Stunde: Konstruktivismus am Beispiel von Ernst von Glasersfeld. So weit so gut, dachte ich mir, bevor der eigentliche Unterricht begann. Dies sollte ich noch früh genug bereuen und zwar schon nachdem wir mit einer ersten Übung zur Veranschaulichung begonnen hatten. Man stelle sich eine sogenannte Blackbox vor, die unten am Boden zwei Löcher hat aus denen jeweils ein dünner Faden herausschaut. Zieht man nun an dem ersten Faden, so wird der zweite genau um ein Drittel in die Box gezogen. Zieht man an dem zweiten Faden, so wird der erste um genau ein Dreifaches verkürzt. Die Frage, die sich unweigerlich stellt, ist, was wohl in der Blackbox enthalten ist und somit für den Mechanismus sorgt. Um dies herauszufinden, sollten wir zu zweit oder dritt eine Zeichnung anfertigen und anhand dieser den Mechanismus nach einiger Bedenkzeit an der Tafel präsentieren. Das Ende vom Lied: jeder hat sein Werk vorgestellt, kontrollieren konnten wir nicht, also ging es ohne weiteren Kommentar seitens unserer Lehrerin weiter im Text. 
Apropos Text, den gab es als nächstes serviert. Im Plenum wurde gelesen, wie Ernst von Glaserfeld, der Begründer des radikalen Konstruktivismus', die Sache mit der Wahrheit sieht. Immerhin ist unser Halbjahresthema ERKENNTNISTHEORIE! 
An dieser Stelle muss die Beschreibung des Unterrichts enden, denn ab hier habe ich mich meinen Tagträumen gewidmet. Von den anderen kann man das nicht behaupten. Während noch genau zwei Schüler am Unterricht aktiv teilnahmen, hatte sich der Rest entschieden, sich über einen der beiden permanent lustig zu machen und dabei selbst Kommentare abzugeben, die nicht einmal auf der Sonderschule als gut durchfacht gelten würden. 

Als um drei endlich die Klingel zum Stundenschluss ertönte war ich heilfroh und bin natürlich schnurstracks aus der Tür gelaufen. Blöd nur, dass mich der gleiche Spaß nächsten Montag von halb zwei bis drei wieder erwartet.